Das Armband von Saint- Exupéry
im Fischernetz

Es klingt wie ein Märchen. Als ich davon gehört hatte, fingen meine Hände an zu zittern. Ich habe diesen Artikel in der "Berliner Morgenpost" gelesen. Ich möchte ihn hier allen veröffentlichen aber lest selbst:
 
 

Spuren vom Absturz des Dichters im Mittelmeer
Von Constance Knitter

BM Paris - «Ich werde als Kreuz im Mittelmeer enden», sagte Antoine de Saint-Exupéry in düsterer Vorausahnung, bevor er am 31. Juli 1944 mit seiner «Lightning P 38» vom Militärflugplatz auf Korsika zu einem Aufklärungsflug über das von den Deutschen besetzte Rhone-Tal startete. Es sollte der letzte Flug des damals 44 Jahre alten französischen Schriftstellers und Schöpfers des «kleinen Prinzen» sein. Saint-Exupéry galt seither als vermißt.

Doch jetzt - 54 Jahre später - zog ein Fischer in seinem Fangnetz das silberne Kettenarmband des Poeten und zwei kleine Wrackteile seines Flugzeuges in den Calanques - den kleinen Buchten vor Marseille - aus dem Mittelmeer. «Antoine de Saint-Exupéry und Consuelo - c/o Reynal and Hitchcock Inc. - 386 4th Ave N.Y. City - USA», ist auf der Namensplakette des Armbands eingraviert - ein Geschenk von Consuelo, der zweiten Frau von Saint-Exupéry. Sie war Argentinierin.

Bis 1943 lebte Saint-Exupéry im Exil in New York. Dort erschien auch «Der Kleine Prinz» zuerst in englischer Sprache. «Name und Adresse sind die des New Yorker Verlegers», bestätigte Henri-Germain Delauze, Generaldirektor der Comex, ein auf Tiefseeforschung spezialisiertes Unternehmen.

Er hat die Flugzeugteile der Lightning und das Armband von Experten untersuchen lassen. Bei den Wrackteilen handelt es sich um ein Querstück, auf dem das Bordfunkgerät angebracht war. An Bord eines Unterseebootes, das mit einer Ortungsanlage ausgestattet ist und 300 Meter tief tauchen kann, sucht Delauze mit seiner Mannschaft seit gestern zwischen Marseille und Bandol nach dem Wrack der amerikanischen Lighning P38.

Den Leichnam des legendären Dichter-Piloten «Saint-Ex» zu finden, ist hoffnungslos. «Es ist schon ein Wunder, daß ich sein Armband gefunden habe. Das Meer ist so groß und ein Armband so klein», sagt der Fischer Jean-Claude Bianco (54). Bei schwerem Gewitter hatte er am 7. September sein Netz eingezogen. Als er die Fische an Bord seines Kutters «Horizon» sortierte, stach ihm etwas silbrig glänzendes in einem komprimierten Metallstück ins Auge.

«Wir zertrümmerten das Metallstück, heraus kam das Armband. Der Name Antoine Saint-Exupery erschien, als es gereinigt war. Ich dachte, ich träume», sagt der Fischer. Um das Armband war ein Stück verkohlter Stoff gewickelt. «Das könnte ein Stück des Pilotenanzugs aus Naturseide sein, der unter Wasser Jahrhunderte überdauert», so Tiefseeforscher Delauze.

Über den bisher ungeklärten Fliegertod von Saint-Exupery sagt Baron Frederic d'Agay, ein Großneffe des Verschollenen: «Saint-Exupéry ist entweder über dem Mittelmeer von deutschen Abfangjägern abgeschossen worden, oder er vergaß, wie schon einmal zuvor, seine Sauerstoffmaske aufzusetzen. Von einem Unwohlsein befallen, verlor er in dem Fall die Kontrolle über seine Maschine. Es war sein Schicksal, in die Lüfte aufzusteigen und nicht mehr zurückzukehren. Wie der kleine Prinz.»
 
 

zum kleinen Prinz